Materialforschung
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Aluminium CO2-neutral herstellen
<p>Die Aluminiumgewinnung ist sehr umweltbelastend. Pro Tonne Rohmaterial wird w&auml;hrend des Verh&uuml;ttungsprozesses ein Vielfaches an CO2 ausgesto&szlig;en. Daran hat sich in fast eineinhalb Jahrhunderten industrieller Aluminiumerzeugung nicht viel ge&auml;ndert. Isabella Gallino vom Lehrstuhl f&uuml;r Metallische Werkstoffe der Universit&auml;t des Saarlandes m&ouml;chte dies nun gemeinsam mit dem Industriepartner Trimet &auml;ndern. Sie erforschen eine Methode, bei der statt CO2 reiner Sauerstoff als Nebenprodukt der Aluproduktion anfallen soll.</p>
© Universität des Saarlandes/Ralf Busch
<p>Manche Dinge brauchen Zeit, die einen mehr, die anderen weniger. Im Falle von Isabella Gallino und gemessen an menschlichen Ma&szlig;st&auml;ben war es schon eine ordentliche Zeit, die vergehen musste, bis das Thema ihrer Doktorarbeit nun Eingang in die Praxis findet, n&auml;mlich gut 20 Jahre. Es k&ouml;nnte aber ein Eingang mit gro&szlig;em Bahnhof sein, denn Gallinos Doktorarbeit ebnet m&ouml;glicherweise einem Paradigmenwechsel in der energieintensiven und umweltbelastenden Aluminiumindustrie den Weg. Am Ende steht nichts weniger als die M&ouml;glichkeit, Aluminium CO2-neutral herstellen zu k&ouml;nnen.<br /> &nbsp;<br /> Nach dem g&auml;ngigen Verfahren wird bei der Aluminiumherstellung aus dem Erz Bauxit enorm viel klimasch&auml;dliches CO2 freigesetzt. &bdquo;Beim Verh&uuml;tten von einer Tonne Bauxit werden acht Tonnen CO2 freigesetzt, wenn Kohlestrom daf&uuml;r genutzt wird&ldquo;, erkl&auml;rt Ralf Busch, Professor f&uuml;r Metallische Werkstoffe an der Universit&auml;t des Saarlandes. Die Metallforscherin Isabella Gallino f&uuml;gt hinzu: &bdquo;Selbst wenn gr&uuml;ner Strom genutzt wird, setzt die Aluminiumherstellung aus einer Tonne Bauxit noch 1,5 Tonnen CO2 frei.&ldquo; Der Grund daf&uuml;r ist, dass das Aluminiumerz Bauxit (Al2O3) in den Schmelz&ouml;fen durch Elektrolyse aufgespalten wird. Das hei&szlig;t, seine negativ und positiv geladenen Einzelbestandteile werden durch Anoden und Kathoden voneinander getrennt. Bisher wird der Sauerstoff des Bauxits mithilfe einer Graphit-Anode vom Aluminium getrennt. Der Kohlenstoff dieser Graphit-Anode und der Sauerstoff des Bauxits verbinden sich dadurch zu ebenjenen 1,5 Tonnen CO2 aus einer Tonne Bauxit, das in die Atmosph&auml;re entweicht. &Uuml;brig bleibt &ndash; unter anderem &ndash; das elementare Aluminium, das als wertvoller Ausgangsstoff f&uuml;r viele Industriezweige genutzt werden kann, vom Automobilbau bis zur Getr&auml;nkeindustrie.</p> <p><br /> Alleine in einem einzigen Werk des gr&ouml;&szlig;ten deutschen Aluminiumproduzenten Trimet, dem Industriepartner, der nun in einem gro&szlig;en EU-Forschungsprojekt auf die wissenschaftliche Expertise von Isabella Gallino und Ralf Busch zur&uuml;ckgreift, werden in jedem einzelnen der 300 Schmelzb&auml;der 23 schreibtischgro&szlig;e Graphit-Anoden eingesetzt, die monatlich erneuert werden m&uuml;ssen. Eingedenk der Tatsache, dass laut <a href="http://www.aluinfo.de/produktion-weltweit.html">Aluminium-Branchenverband weltweit rund 63 Millionen Tonnen H&uuml;ttenaluminium pro Jahr </a>erzeugt werden, d&uuml;rfte also unstrittig sein, dass eine klimafreundliche Produktion ein gro&szlig;er Fortschritt w&auml;re.<br /> &nbsp;<br /> Hier kommt nun Isabella Gallinos 20 Jahre alte Doktorarbeit ins Spiel, die sie an der Oregon State University in den USA verfasst hat. Sie hat darin nachgewiesen, dass so genannte inerte Anoden tats&auml;chlich in der Praxis funktionieren. Vereinfacht gesagt, nutzte sie f&uuml;r diese Anoden eine &nbsp;Eisen-Kupfer-Nickel-Legierung, die sich nicht, wie der Kohlenstoff der Graphit-Anode, verbraucht, sondern erhalten bleibt und dabei Sauerstoff statt CO2 freisetzt. &bdquo;Damals waren aber die politischen Rahmenbedingungen in den USA schlecht&ldquo;, blickt Isabella Gallino auf die Zeit Anfang der 2000er Jahre zur&uuml;ck. Die Regierung des republikanischen Pr&auml;sidenten George W. Bush hat die teure F&ouml;rderung umweltfreundlicher Industriereformen zur&uuml;ckgefahren. Mit dem &bdquo;European Green Deal&ldquo;, den die EU 2019 ins Leben gerufen hat, sind nun in Europa die Bedingungen f&uuml;r die Umsetzung dagegen sehr gut. Denn ein Umbau einer Schwerindustrie wie der Aluminiumherstellung ist ein sehr teures Unterfangen. &bdquo;Wenn wir aber kein CO2 mehr produzieren wollen, ist das der einzige Weg&ldquo;, sagt Isabella Gallino.<br /> &nbsp;<br /> Sie ist daher Teil eines EU-gef&ouml;rderten Konsortiums zur&nbsp; &bdquo;CO2-freien Aluminiumproduktion&ldquo;, das der Aluminiumproduzent Trimet federf&uuml;hrend leitet. Ihre Aufgabe wird es in den kommenden drei Jahren sein, metallische Anoden so weiterzuentwickeln, dass sie einen effizienten und CO2-neutralen Produktionsprozess erm&ouml;glichen. Die Industriepartner werden im Anschluss daran einen Prototyp f&uuml;r die Elektrolyse entwickeln und die CO2-neutrale Herstellung im kleinen Ma&szlig;stab testen, bevor sie, im Idealfall, anschlie&szlig;end ein kleineres Werk errichten, das klimafreundliches Aluminium zun&auml;chst im kleineren Ma&szlig;stab industriell erzeugen kann.<br /> &nbsp;<br /> Die Metallurgie-Expertin Isabella Gallino schaut in diesem Zusammenhang noch auf eine andere M&ouml;glichkeit, die sich durch die Erzeugung von klimaschonendem Aluminium in Zukunft ergeben k&ouml;nnte: &bdquo;Aluminium kann auch sehr gut als Energiespeicher genutzt werden, wenn es mit gr&uuml;nem Strom produziert wird. Aluminium ist ein Element, das auf einmal drei Valenz-Elektronen abgeben kann. Die Energiedichte ist also h&ouml;her als bei anderen Elementen. Und es gibt eine Technik, bei der zur Stromerzeugung elementares Aluminium zur&uuml;ck zu Al2O3 oxidiert, indem man fl&uuml;ssiges Aluminium kontrolliert mit Wasser reagieren l&auml;sst.&ldquo;<br /> &nbsp;<br /> Aluminiumkraftwerke statt Kohlestrom? Auch das w&auml;re also denkbar in einer Zukunft, in der es gel&auml;nge, Aluminium klimaschonend herzustellen.<br /> &nbsp;<br /> <strong><u>&Uuml;bersicht &uuml;ber das Projekt: </u></strong><br /> <a href="https://www.trimet.eu/de/trimet/nachhaltigkeit/umwelt-und-klimaschutz/herstellung-von-inerten-metallischen-anoden" style="color: rgb(14, 57, 114); font-weight: normal; text-decoration: underline;" target="_blank">https://www.trimet.eu/de/trimet/nachhaltigkeit/umwelt-und-klimaschutz/herstellung-von-inerten-metallischen-anoden</a><br /> &nbsp;</p>
Text:Thorsten Mohr
Thorsten Mohr
23.06.2022
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