Saarbrücker Physikerteam
Auf dem Weg zum Quantencomputer
<p>In Quantencomputer werden gro&szlig;e Hoffnungen gesetzt, weil sie wesentlich schneller und komplexer rechnen k&ouml;nnen als heutige Supercomputer &ndash; insbesondere in einem Quanten-Netzwerk. Viele Forschungsfragen dazu sind jedoch noch ungel&ouml;st, etwa wie man Fehlerquellen beim Quantenrechnen umgeht oder bestehende Glasfasernetze f&uuml;r die Verkn&uuml;pfung von Quantenrechnern nutzen kann.</p>
© Oliver Dietze
<p>Daran forscht auch ein Physikerteam der Universit&auml;t des Saarlandes, das in sechs verschiedenen Projekten vom Bundesforschungsministerium mit rund zehn Millionen Euro gef&ouml;rdert wird. Im Vergleich zu den klassischen Computern w&auml;ren Quantencomputer &uuml;berall dort n&uuml;tzlich, wo extrem gro&szlig;e Datenbanken durchsucht werden m&uuml;ssen oder bei Simulationen riesige Datenmengen anfallen. &bdquo;Das kann in der Finanzwirtschaft sein, wo komplexe Prozesse optimiert werden sollen, oder in der Medizin, um auf Basis von Gensequenzierungen individualisierte Therapien zu entwickeln&ldquo;, nennt Giovanna Morigi, Professorin f&uuml;r theoretische Physik, als Beispiel f&uuml;r m&ouml;gliche Anwendungen. Bis dahin gibt es aber noch einige harte N&uuml;sse zu knacken, einer ganz wesentlichen ungekl&auml;rten Frage ist die Saarbr&uuml;cker Forscherin auf der Spur.</p> <p>&bdquo;Der Quantencomputer unterliegt kleinen Rechenfehlern, die seine Genauigkeit beeintr&auml;chtigen k&ouml;nnen. Diese Fehler entstehen h&auml;ufig durch zuf&auml;llige Schwankungen und Unordnung; man spricht von einem Rauschen&ldquo;, erl&auml;utert Morigi. Bisher haben Quantenphysiker sich darauf konzentriert, solche Fehler zu vermeiden, in Zukunft wollen sie diese stattdessen ausnutzen. &bdquo;Wir streben einen Paradigmenwechsel an, indem wir nicht nur Methoden entwickeln, mit denen die Fehlerquellen abgeschw&auml;cht werden k&ouml;nnen, sondern wir wollen auch Quantenalgorithmen entwerfen, die vom Rauschen der Quantenzust&auml;nde profitieren. Das ist vergleichbar mit einem Vogelschwarm, der sich selbst organisiert, indem einzelne V&ouml;gel leicht ausscheren, also Fehler begehen, die aber sofort korrigiert werden, weil sich benachbarte V&ouml;gel an die neue Route anpassen&ldquo;, erkl&auml;rt die Physikerin.</p> <p>
© Jürgen Eschner

Das ist vergleichbar mit einem Vogelschwarm, der sich selbst organisiert.

Giovanna Morigi, Professorin für theoretische Physik
</p> <p>In einem von ihr geleiteten Verbundprojekt sollen Algorithmen f&uuml;r vier Anwendungsfelder entwickelt werden. Darunter fallen Optimierungsprobleme in der Logistik, die Verarbeitung von riesigen Datenbest&auml;nden (Big Data), die Datenbanksuche sowie Modelle etwa aus der Teilchenphysik. Das auf drei Jahre angelegte Forschungsprojekt wurde erst k&uuml;rzlich vom Bundesministerium f&uuml;r Bildung und Forschung (BMBF) bewilligt. Weitere f&uuml;nf Projekte, an denen Saarbr&uuml;cker Quantenphysiker beteiligt sind, erhielten im Laufe des vergangenen Jahres die F&ouml;rderbescheide. Dar&uuml;ber flie&szlig;en insgesamt rund zehn Millionen Euro Drittmittel an die Universit&auml;t des Saarlandes, die Gesamtprojektsummen liegen um ein Vielfaches h&ouml;her.</p> <p>Damit Quantencomputer ihren Weg in die Praxis finden, ist noch eine weitere gro&szlig;e H&uuml;rde zu nehmen: die Daten&uuml;bertragung und Kommunikation zwischen mehreren Quantencomputern. Die Saarbr&uuml;cker Forscher wollen daf&uuml;r eine Glasfaserverbindung zwischen der Universit&auml;t des Saarlandes und der Hochschule f&uuml;r Technik und Wirtschaft (htw) als Teststrecke nutzen. &bdquo;Quantencomputer k&ouml;nnen nicht &uuml;ber das Internet miteinander verbunden werden. Um sie zu vernetzen, bedarf es besonderer Schnittstellen zwischen den Quantenspeichern, zum Beispiel einzelnen Atomen, und den Telekom-Glasfasern. Wir erforschen, wie die Quantenknoten, an denen Quantenprozessoren operieren, miteinander kommunizieren&ldquo;, erl&auml;utert Projektleiter J&uuml;rgen Eschner.</p> <p>
© Iris Maurer

Quantencomputer können nicht über das Internet miteinander verbunden werden.

Jürgen Eschner, Professor für Experimentalphysik
</p> <p>Der Experimentalphysiker hofft, dass es in drei Jahren gelingen wird, Quantensignale zwischen den beiden Hochschulstandorten zu senden und zu empfangen. Von dieser Forschung sollen nicht nur Doktorandinnen und Doktoranden der Universit&auml;t des Saarlandes, sondern auch Industriepartner profitieren. In einem zweiten BMBF- gef&ouml;rderten Projekt will J&uuml;rgen Eschner daher gemeinsam mit Informatikern an der Hochschule Ruhr West und weiteren Partnern ein Quantum Technology Fablab als Ausbildungslabor einrichten. &Uuml;ber Virtual Reality-Anwendungen sollen an verschiedenen Standorten die Kompetenzen f&uuml;r Quantentechnologien aufgebaut und gemeinsame Projekte mit der Industrie erm&ouml;glicht werden.</p> <p>Der Dritte im Bunde der saarl&auml;ndischen Quantenphysik ist Christoph Becher, Professor f&uuml;r Quantenoptik der Saar-Universit&auml;t. Er ist unter anderem der Sprecher eines gro&szlig;en Verbundprojekts, das mit Hilfe der Quantenphysik ein Netzwerk aufbauen will, das zum einen physikalisch garantiert abh&ouml;rsichere Kommunikation &uuml;ber gro&szlig;e Distanzen erm&ouml;glicht, perspektivisch aber auch die Verkn&uuml;pfung von Quantenrechnern verwirklichen soll (siehe <a href="https://www.uni-saarland.de/universitaet/aktuell/artikel/nr/24344.html" target="_blank">Presseinfo</a>). Zu diesem Zweck werden in einem weiteren Forschungsprojekt Komponenten f&uuml;r eine verlustarme Quantenkommunikation zusammen mit Industrieunternehmen zur Fertigungsreife entwickelt. Ebenso forscht Christoph Becher an der grundlegenden Hardware f&uuml;r einen Quantencomputer, der mit Licht &bdquo;rechnet&ldquo;. Dazu werden in Saarbr&uuml;cken spezielle quantenphysikalische Lichtzust&auml;nde erzeugt, w&auml;hrend weitere Partner spezielle &bdquo;optische Chips&ldquo; herstellen, auf denen die Rechenoperationen dann durchgef&uuml;hrt werden.</p> <p>Alle gemeinsam profitieren von der engen Verbindung ins Forschungszentrum J&uuml;lich, wo seit zwei Jahren der Quantenphysiker Frank Wilhelm-Mauch forscht und das Projekt OpenSuperQ als Teil der gro&szlig;angelegten europ&auml;ischen Quanten-Initiative leitet sowie an weiteren nationalen Projekten beteiligt ist. Er hat weiterhin seine Professur an der Universit&auml;t des Saarlandes inne und betreut an beiden Standorten Nachwuchsforscher.&nbsp;&nbsp;</p> <p><strong>Weitere Informationen</strong> zu den vom BMBF gef&ouml;rderten Forschungsprojekten mit Saarbr&uuml;cker Federf&uuml;hrung oder Beteiligung:</p> <ul> <li><a href="https://www.quantentechnologien.de/forschung/foerderung/anwendungsnetzwerk-fuer-das-quantencomputing/niq.html" target="_blank">NiQ: Noise in Quantum Algorithms</a></li> <li><a href="https://www.forschung-it-sicherheit-kommunikationssysteme.de/projekte/qsync" target="_blank">QSync -Synchronisation atomarer Qubits in Telekom-Quantennetzwerken</a></li> <li><a href="https://www.forschung-it-sicherheit-kommunikationssysteme.de/projekte/qr.x" target="_blank">QR.X - Quantenrepeater.Link</a></li> <li><a href="https://www.quantentechnologien.de/forschung/foerderung/quantenprozessoren-und-technologien-fuer-quantencomputer/qpic-1" target="_blank">QPIC-1 - Photonisch integrierter Quantencomputer</a></li> <li><a href="https://www.quantentechnologien.de/forschung/foerderung/enabling-technologies-fuer-die-quantentechnologien/hifi.html" target="_blank">HiFi &ndash;Hochintegrierter Quantenfrequenzkonverter h&ouml;chster Fidelit&auml;t auf Basis innovativer Laser-, Faser-, und Produktionstechnologie</a></li> <li><a href="https://www.quantentechnologien.de/forschung/foerderung/quantum-futur-education-netzwerk-interdisziplinaerer-aus-und-weiterbildungskonzepte-in-den-quantentech-nologien/qufablabs.html" target="_blank">QuantenFabLabs (Programm Quantum Future Education</a>)</li> </ul> <ul> </ul>
Text:Friederike Meyer zu Tittingdorf
Friederike Meyer zu Tittingdorf
10.03.2022
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